Xircuit Blog

Produkt-Updates, Entwickler-Logs und Neuigkeiten aus der Entwicklung von Xircuit.

Der öffentliche Auftritt: Branchen-Seiten und Zweisprachigkeit cover image

Der öffentliche Auftritt: Branchen-Seiten und Zweisprachigkeit


Der öffentliche Auftritt: Branchen-Seiten und Zweisprachigkeit

Eine Website auf einem Laptop Foto: Rawpixel (CC0 1.0), via Openverse

Ein Produkt kann noch so gut gebaut sein — bevor jemand es benutzt, muss er es finden und in wenigen Sekunden verstehen, ob es zu ihm passt. Genau diese wenigen Sekunden entscheiden auf der Startseite. Ein Fitnessstudio-Betreiber hat andere Fragen als eine Physiotherapie-Praxis, und beide haben andere Fragen als jemand, der Xircuit rein privat für seine eigenen Gesundheitsdaten nutzen möchte. Eine einzige, für alle gleiche Landingpage wird jeder dieser Gruppen nur halb gerecht.

Diese Woche ging es deshalb nicht um den Kern der Anwendung, sondern um den öffentlichen Auftritt davor: die Marketing-Website. Sie ist der Teil, den Menschen sehen, bevor sie sich überhaupt registrieren — und sie musste von Anfang an zwei Dinge können, die man leicht unterschätzt: die richtige Botschaft an die richtige Zielgruppe bringen und das in zwei Sprachen sauber tun.

Warum eine eigene Marketing-Website

Man könnte argumentieren, die Anwendung selbst sei ihr bestes Verkaufsargument. In der Praxis stimmt das nicht. Wer zum ersten Mal von Xircuit hört, will nicht sofort ein Konto anlegen, sondern erst verstehen, was das Produkt für seine konkrete Situation leistet. Diese Erklärarbeit gehört vor die Anmeldung, nicht dahinter.

Also gibt es eine dedizierte Marketing-Website mit eigenen Seiten je Branche. Statt einer generischen Übersicht bekommt jede Zielgruppe eine Seite, die ihre Sprache spricht — im wörtlichen wie im übertragenen Sinn. Auf der Startseite sitzt ein Zielgruppen-Router: ein Element, das Besucher fragt, wer sie sind, und sie von dort zur passenden Branchen-Seite führt. Das klingt simpel, ist aber der wichtigste Baustein. Es verwandelt eine allgemeine Begrüßung in ein gezieltes Gespräch, ohne dass der Besucher sich durch ein Menü graben muss.

Der Zielgruppen-Router auf der Startseite

Die Startseite trägt bewusst wenig auf. Ihre Hauptaufgabe ist Weiterleitung, nicht Vollständigkeit. Der Router nimmt die Selbstauskunft des Besuchers entgegen und leitet ihn auf die Branchen-Seite, die zu ihm passt. Dort — und erst dort — steht die vollständige, zugeschnittene Argumentation.

Dieser Ansatz hat einen angenehmen Nebeneffekt für die Pflege: Ändert sich die Botschaft für eine einzelne Branche, berührt das nur deren Seite. Die Startseite bleibt stabil, weil sie kaum inhaltliche Aussagen trägt, sondern vor allem Wege öffnet. Jede Branchen-Seite ist damit eine eigene, in sich geschlossene Einheit, die unabhängig von den anderen wachsen und sich schärfen kann.

Genauso wichtig ist, was der Router nicht tut: Er zwingt niemanden. Wer sich in keiner der angebotenen Kategorien wiederfindet, kann die Auswahl übergehen und sich frei umsehen. Der Router ist eine Abkürzung zur passenden Botschaft, keine Schranke vor dem Inhalt. Diese Balance — führen, ohne zu bevormunden — war beim Zuschnitt der Startseite die eigentliche Arbeit.

Zwei Sprachen, über die Route entschieden

Xircuit richtet sich an ein deutsch- und ein englischsprachiges Publikum, und beide sollen sich gleichermaßen zu Hause fühlen. Statt Sprache über einen versteckten Schalter oder ein serverseitiges Ratespiel zu bestimmen, steckt sie sichtbar in der URL: Alle Pfade sind kulturpräfixiert, also /en und /de. Die Route entscheidet, welche Sprache ausgeliefert wird.

Das ist eine bewusste Entscheidung mit mehreren Vorteilen. Ein Link ist eindeutig — wer /de/... teilt, teilt garantiert die deutsche Fassung. Suchmaschinen können beide Sprachfassungen getrennt erfassen und indexieren. Und die Sprache lässt sich nicht versehentlich durch einen Cookie „verlieren“, weil sie immer explizit im Pfad steht.

Trotzdem soll niemand beim ersten Besuch auf der falschen Sprache landen. Kommt jemand ohne Sprachpräfix an, greift ein Fallback: zuerst ein früher gesetzter Cookie mit der zuletzt gewählten Sprache, danach der Accept-Language-Header des Browsers. Erst wenn beides keine klare Antwort gibt, fällt die Wahl auf die Standardsprache. So bekommt der Besucher mit hoher Wahrscheinlichkeit sofort seine Sprache, behält aber jederzeit die Kontrolle über die explizite URL.

Ein Globus als Sinnbild für Zweisprachigkeit Foto: World Maps · StockSnap (CC0 1.0), via Openverse

Die richtige Anrede im Deutschen

Zweisprachigkeit ist mehr als eine Übersetzung Wort für Wort. Im Deutschen gibt es eine Entscheidung, die man einmal trifft und dann konsequent durchhält: die Anrede. Die deutschen Texte verwenden durchgängig die formale Sie-Anrede — kein Wechsel, kein „du“ an einer Stelle und „Sie“ an der nächsten.

Das ist keine Kleinigkeit. Ein einziges verirrtes „du“ auf einer Seite, die sonst siezt, wirkt sofort unsauber und untergräbt genau das Vertrauen, das eine Marketing-Seite aufbauen soll. Gerade bei einem Gesundheitsprodukt, das mit sensiblen Daten umgeht, zählt dieser Ton. Die formale Anrede ist deshalb eine feste Regel für alle deutschen Texte, nicht eine Frage des Geschmacks von Seite zu Seite.

SEO und Sitemap von Anfang an

Eine Marketing-Website, die niemand über die Suche findet, erfüllt ihren Zweck nur zur Hälfte. Deshalb waren Suchmaschinenoptimierung und eine generierte Sitemap keine nachträgliche Ergänzung, sondern von Beginn an eingebaut. Die Seiten liefern die Metadaten, die Suchmaschinen erwarten, und die Sitemap wird erzeugt, statt sie von Hand zu pflegen — was bei mehreren Branchen-Seiten in zwei Sprachfassungen sonst schnell fehleranfällig würde.

Die kulturpräfixierten Pfade zahlen hier direkt ein. Weil jede Sprachfassung ihre eigene, stabile URL hat, lassen sich die Fassungen sauber gegeneinander auszeichnen, und Suchmaschinen können die passende Sprache für die passende Region ausliefern. Die generierte Sitemap sorgt dafür, dass beim Hinzufügen einer neuen Branchen-Seite deren beide Sprachfassungen automatisch mit auftauchen, statt vergessen zu werden.

Technisch laufen diese Seiten als Razor Pages im selben Projektverbund wie der Rest der Plattform. Das ist eine pragmatische Wahl: kein separater Technologie-Stack, den man getrennt betreiben und aktuell halten müsste, sondern serverseitig gerenderte Seiten, die gut zu überwiegend statischen Marketing-Inhalten passen und ohne Umwege maschinenlesbar bleiben.

Eingebettet statt danebengestellt

Die Website steht nicht isoliert neben dem Produkt, sondern ist über den AppHost verdrahtet — sie ist ein Teil derselben orchestrierten Anwendung. Das hat einen konkreten Nutzen: Sie teilt sich Infrastruktur, die es ohnehin schon gibt. Fehler und Ausnahmen laufen in dieselbe Sentry-Anbindung wie im Rest der Plattform, sodass ich Probleme auf der Website an derselben Stelle sehe wie überall sonst. Und wenn die Website etwas versenden muss — etwa aus einem Kontaktformular heraus —, nutzt sie dieselbe E-Mail-Anbindung, statt einen zweiten Versandweg aufzubauen.

Diese gemeinsame Basis spart nicht nur Arbeit, sie reduziert auch die Zahl der Dinge, die auseinanderdriften können. Eine zweite, lose danebengestellte Website wäre ein separater Betrieb mit eigener Fehlerbehandlung, eigenem E-Mail-Versand und eigener Überwachung. Als Teil des Projektverbunds erbt die Marketing-Website stattdessen die Fundamente, die für die Plattform ohnehin gepflegt werden.

Was kommt als Nächstes?

Nächste Woche: Abrechnung — Stripe-Plattform-Billing mit Abos, Webhooks und einem Self-Service-Portal.


Kommentare

Noch keine Kommentare. Teilen Sie als Erste(r) Ihre Gedanken!

Kommentar hinterlassen